Heute geht es weiter mit dem zweiten Teil zum Thema Persönlichkeitsentwicklung. Falls du den ersten Beitrag verpasst haben solltest, kannst du ihn hier nachlesen. Darin erkläre ich, was Persönlichkeitsentwicklung ist, wozu du sie brauchst und welches die drei Säulen sind, aus denen sie besteht. In diesem Beitrag schauen wir uns nun die erste Säule genauer an, die Selbsterkenntnis.

Ohne Selbsterkenntnis gibt es keine Verbesserung

Selbsterkenntnis ist ein langer und oft schmerzhafter Prozess, der aber nötig ist, um als Mensch zu wachsen und vorwärtszukommen. Du musst wissen, wer du überhaupt bist, was du für einen Charakter hast und wo deine Stärken und Schwächen liegen. Schmerzhaft ist er deshalb, weil du realisierst, dass du vielleicht gar nicht so bist, wie du immer geglaubt hast. Oder du über viel mehr Schwächen verfügst, als du bis anhin zugeben wolltest. Auch wenn dieser Weg anstrengend sein kann, so ist er gleichzeitig aber auch erleuchtend, weil du erkennst, wo du im Leben stehst und wohin die Reise gehen soll. Es ist ganz wichtig, dass du herausfindest, welches deine Bedürfnisse sind und was du im Leben brauchst, um wirklich glücklich zu sein. Nur so kannst du einen Lebensplan entwickeln, der dich auch erfüllen wird.

Nimm die Vogelperspektive ein

Die Voraussetzung für Selbsterkenntnis ist die Fähigkeit, dich so objektiv und ehrlich wie möglich zu betrachten. Das hat auch viel mit Selbstreflexion zu tun. Dabei hilft es, wenn du dich mal aus der Perspektive einer anderen Person anschaust und dir vorzustellen versuchst, wie du auf andere wirkst. Dadurch bekommst du eine Idee, wie dich andere wahrnehmen und warum jemand in einer bestimmten Weise auf dich reagiert. Es ist wichtig, dass du lernst, dich selbst zu verstehen. Dadurch fällt es dir auch leichter, dein Umfeld besser zu verstehen. Die Selbsterkenntnis beugt auch Enttäuschungen vor. Es passiert sehr oft, dass sich Menschen über- oder unterschätzen oder glauben, Dinge auf eine Art und Weise anzugehen, was sie aber gar nicht tun.

Wie gut kennst du dich wirklich?

Oft hören wir diese Aussage «sei ganz du selbst». Wie aber kannst du dich selbst sein, wenn du gar nicht weißt, wer du bist? Darum fühlen sich viele Menschen durch diese Aufforderung unter Druck gesetzt. Oft kommt noch hinzu, dass eine gewisse Angst mitschwingt, sich so zu zeigen, wie man tatsächlich ist. Weil man sich vor dem Urteil der anderen fürchtet oder negative Eigenschaften nicht zeigen will. Es kann auch sein, dass man sich nicht eingestehen will, wer man wirklich ist oder feststellen muss, dass man über gewisse Eigenschaften gar nicht verfügt, obwohl man überzeugt war, diese zu besitzen.

Stell dir mal vor, du erkennst, dass du doch nicht so liebevoll, so geduldig oder so großzügig bist, wie du bisher immer angenommen hast. Diese Tatsache ist bestimmt nicht einfach zu akzeptieren, wahrscheinlich bist du enttäuscht von dir oder wütend auf dich. Und genau darum habe ich eingangs gesagt, dass Selbsterkenntnis schmerzhaft ist. Sie zwingt dich, dich so zu sehen, wie du effektiv bist. Und nicht so, wie du gerne sein würdest. Nichtsdestotrotz braucht es dieses Bewusstwerden deiner selbst, ansonsten kannst du als Person nicht wachsen und dich nicht weiterentwickeln.

Der Weg der Selbsterkenntnis bringt Erleuchtung

Nehmen wir an, du hältst dich für einen sympathischen und umgänglichen Menschen. Andere aber empfinden dich als arrogant und hochnäsig. Das kann zu ernsthaften Problemen für dich führen. Zum Beispiel hast du Schwierigkeiten, einen Job zu finden, weil du in Bewerbungsgesprächen als besserwisserisch rüberkommst. Oder es fällt dir schwer, Freundschaften zu knüpfen, da dich andere als herablassend wahrnehmen. Ohne Selbsterkenntnis wirst du nicht verstehen, warum du immer auf Ablehnung stößt und wirst frustriert und dich unverstanden fühlen. Beginnst du aber, dich selbst zu beobachten und dich zu hinterfragen, siehst du, dass du leider nicht so sympathisch wirkst, wie du dachtest. Und kannst aktiv etwas dagegen unternehmen.

Praktische Übung Teil 1

Um dir den Einstieg in diesen Prozess zu erleichtern, habe ich eine Übung für dich, die aus zwei Teilen besteht. Für den ersten Teil brauchst du ein Blatt Papier, einen Stift und Zeit und Ruhe. Stell dir vor, du telefonierst zum ersten und auch zum letzten Mal mit einer völlig fremden Person. Diese Person weiß absolut nichts über dich und kennt auch niemanden aus deinem Umfeld. Nun fragt sie dich, wer du bist. Beantworte ihr diese Frage und sei absolut ehrlich mit dir selbst. Schau ganz genau hin, was dich ausmacht und schreib alles auf, was dir dazu in den Sinn kommt. Als Nächstes möchte die Person am Telefon wissen, welche Charaktereigenschaften du besitzt und über welche du gerne verfügen würdest. Notiere alles dazu auf dein Blatt Papier. Zum Abschluss stellt sie dir eine letzte Frage. Sie will von dir wissen, welches deine Bedürfnisse sind und welche Träume du hast. Nimm dir Zeit, bevor du antwortest und schreib dann wieder alles auf.

Die Übung hilft dir, neue Erkenntnisse über dich zu gewinnen und dir klarer darüber zu werden, wie du bist und was du brauchst. Du kannst die Fragen auch auf dich wirken lassen und deine ersten Antworten zu einem späteren Zeitpunkt ergänzen oder korrigieren. Es kann nämlich gut sein, dass du in einigen Tagen merkst, dass einer deiner Wünsche gar nicht dein eigener ist, sondern dass es sich dabei um Erwartungen deiner Eltern handelt.

Praktische Übung Teil 2

Für den zweiten Teil der Übung benötigst du eine Vertrauensperson, die dich gut kennt und mit der du offen reden kannst. Bitte diese Person, sich deine Antworten anzuschauen und dir ehrlich zu sagen, wie sie dich wahrnimmt und welche Charaktereigenschaften sie dir zuschreibt. So siehst du einerseits, wie du auf andere Menschen wirkst und andererseits, ob dein Selbstbild mit der Einschätzung anderer (Fremdbild) übereinstimmt.

Gehe mit Neugierde an die Sache und ärgere dich nicht, wenn sich die Einschätzung deiner Vertrauensperson nicht zu hundert Prozent mit deiner deckt. Es geht nicht darum, wer recht hat, sondern darum, dass du dich selbst besser kennenlernst.


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